Black Swan Event

Black Swan Event steht für ein Ereignis, das in keiner Weise vorherzusehen ist. Es kann sowohl positive als auch negative Auswirkungen auf einen bestimmten Bereich oder eine bestimmte Branche haben.
Black Swan Event

Was ist ein Black Swan Event? Definition

Das sogenannte Black Swan Event ist auch unter dem deutschsprachigen Namen schwarzer Schwan-Effekt bekannt. Dabei handelt es sich immer um Ereignisse, die unvorhergesehen, völlig plötzlich und daher immer unerwartet eintreten. Diese Ereignisse zeichnen sich primär durch ihre Seltenheit und durch ihre häufig sehr gravierenden Auswirkungen aus.

Es gibt drei Hauptkomponenten für ein Ereignis, das als schwarzer Schwan bezeichnet wird:

  • Wenn es eintritt, hat es mitunter katastrophale und verheerende Folgen – beispielsweise auf die gesamte Weltwirtschaft.
  • Es kann ausschließlich im Nachhinein erklärt werden.
  • Beobachter eines schwarzen Schwan-Effekts versuchen, das entsprechende Ereignis im Nachhinein zu erklären und spekulieren, wie man es hätte vorhersehen können.

Beispiele für Black Swan Events

Vor allem im Kontext von IT-Projekten erlangen Black Swan Events, die Projekte scheitern lassen, zunehmend größere Aufmerksamkeit. Ein Beispiel aus der IT-Branche ist das Projekt „eGK – elektronische Gesundheitskarte“ in Deutschland:

Dieses Projekt hatte zum Ziel, die Abläufe im Gesundheitswesen moderner und wirtschaftlicher zu gestalten. Dazu mussten etwa 110.000 Ärzte, 2000 Krankenhäuser sowie 300 Krankenkassen miteinander vernetzt werden. Das Projekt war dadurch von äußerst hoher Komplexität und mit enormen Kosten verbunden. 2001 wurden die Kosten auf etwa 1 Milliarde DM (511 Millionen Euro) geschätzt, drei Jahre später lagen die Schätzungen bereits bei bis zu 1,4 Milliarden Euro.

Die Kosten stiegen stetig weiter an, da sich die Anforderungen des Projekts häufig änderten. Grund dafür war, dass die Investitionssumme zu Beginn des Projekts lediglich den damaligen aktuellen Erwartungsstand widerspiegelte. Die zukünftigen Entwicklungen wurden jedoch außen vor gelassen, weil diese vollkommen unvorhersehbar waren.

Ein weiteres Beispiel für ein solches zerstörerisches Ereignis stellt ein Systemausfall der amerikanischen Bekleidungsfirma Levi Strauss & Company dar. 2003 beschloss die Firma, ihre IT mithilfe eines neuen ERP-Systems zu modernisieren. Dieses wurde im Frühjahr 2008 in Betrieb genommen.

Unerwartete technische Schwierigkeiten führten schlussendlich dazu, dass alle drei Vertriebszentren des amerikanischen Unternehmens einen Systemausfall über eine komplette Woche erlitten. Levi Strauss & Company verzeichnete aufgrund dieses schwarzen Schwans einen finanziellen Schaden von etwa 200 Millionen US-Dollar.

Woher kommt der Name Black Swan Event?

Der Begriff Black Swan Event wurde erstmals geprägt vom Finanzmathematiker, Schriftsteller und ehemaligen Wall Street Trader Nassim Nicholas Taleb. Er beschreibt dieses Phänomen als so ungewöhnlich, dass selbst die Wahrscheinlichkeit des Eintretens nicht zu berechnen und somit unbekannt ist. Taleb definiert den schwarzen Schwan als ein unvorhersehbares Ereignis historischer, wirtschaftlicher oder persönlicher Natur mit massiven Folgen. Der Schriftsteller befasste sich erstmalig bei finanzwirtschaftlichen Ereignissen im Jahr 2001 mit der Theorie des schwarzen Schwans.

Die Metapher schwarzer Schwan oder Black Swan bezieht sich auf den äußerst selten vorkommenden Schwarzschwan, auch Trauerschwan genannt. Er gilt als einziger fast komplett schwarzer Schwan in seiner Gattung. Bis ins 18. Jahrhundert hinein hat ein solcher Schwarzschwan das Unvorstellbare verkörpert, denn bis zu diesem Zeitpunkt waren ausschließlich weiße Schwäne bekannt.

Grey Swan Events & White Swan Events

Im Kontext der Black Swan Events trifft man oft auch auf die Bezeichnung Grey Swan Event oder auch Gray Swan Event. Diese Grauer-Schwan-Ereignisse unterscheiden sich von einem Schwarzen Schwan dahingehend, dass sie ein Ereignis beschreiben, das bekannt und möglich ist, aber als unwahrscheinlich betrachtet wird.

Typische Graue Schwäne sind extreme Wetterereignisse und Naturkatastrophen wie Erdbeben mit ihren teils gravierenden Auswirkungen, die aber bis zu einem gewissen Grad vorhersehbar und teils sogar erwartbar sind.

Auch in der Elektrotechnik ist die Bezeichnung Grey Swan (Gray Swan) verbreitet und bezieht sich dort auf Ereignisse, die zwar selten passieren, aber umso größere Auswirkungen auf das jeweilige Energiesystem mit sich bringen.

Weiters gibt es noch die White Swan Events, die Weißer-Schwan-Ereignisse. Diese sind gemäß Taleb Ereignisse, die mit Gewissheit irgendwann eintreten werden. Dabei können diese Ereignisse genauso gravierende Folgen haben, jedoch liegt ihr Auftreten in der Struktur der modernen Welt und Gesellschaft begründet – ein White Swan ist somit gewissermaßen vorhersehbar.

Die Corona-Pandemie betrachtet Taleb beispielsweise auch als White Swan, da das Auftreten einer globalen Pandemie, trotz der gravierenden Auswirkungen auf eine unvorbereitete Welt wie bei COVID19, in der Struktur der modernen Welt geradezu begründet liegt und das Auftreten daher höchst wahrscheinlich war.

Häufige Fragen und Antworten

Beim sogenannten Schwarzer-Schwan-Effekt oder auch Black Swan Event handelt es sich um ein Ereignis, oftmals um ein globales Großereignis, das nichts und niemand vorhersagen kann. Es tritt plötzlich auf und hat in der Regel drastische negative Auswirkungen auf die gesamte Weltwirtschaft.

Viele sprechen bei der Covid-19-Pandemie von einem drastischen Beispiel für einen schwarzen Schwan. Laut Nassim Nicholas Taleb spricht man bei Corona jedoch keineswegs von einem Black Swan Event. Er definiert eine globale Pandemie nicht als unvorhersehbar, sondern als ein Ereignis, welches mit Gewissheit zu einem unbestimmten Zeitpunkt eintreffen wird.
Zwar traf die Pandemie die Börse wie ein Blitz, weswegen viele von einem schwarzen Schwan ausgehen, jedoch gelten Pandemien nicht als völlig unvorhersehbar. Sie kommen in der Regel alle 20 bis 30 Jahre vor, Beispiele aus der Vergangenheit vor Corona sind Influenza oder auch Ebola.

Ein Black Swan an der Börse führt zu verheerenden Folgen für die Weltwirtschaft und sorgt für einen Einbruch der Finanzmärkte. Das berühmteste Beispiel für ein solches Ereignis ist die globale Finanzkrise von 2008. Banken und andere Kreditgeber in den USA lockerten damals die Anforderungen für die Vergabe von Krediten für den Erwerb von Immobilien, wodurch teilweise Personen ohne Bonität für Hypotheken auf Immobilien akzeptiert wurden.
Infolgedessen, dass die Hypotheken nicht zurückgezahlt werden konnten, genehmigte die US-Regierung ein finanzielles Hilfspaket über 1 Billion US-Dollar zur Rettung der großen Banken sowie zur Wiederherstellung der Wirtschaft. Auch Deutschland unterstützte die Banken mit fast 500 Milliarden Euro. Die Folge: Die USA, Deutschland und viele weitere Industrieländer rutschen in eine Rezession, mit der niemand gerechnet hatte.

Die Folgen von Black Swan Events sind, wie auch bei der Finanzkrise von 2008, erheblich und dauern häufig mehrere Jahre an. Als Ende eines solchen Ereignisses lässt sich die Regeneration der betroffenen Branchen verstehen. Ein Black Swan gilt erst dann als beendet, wenn sich die betroffene Branche vollständig von den Auswirkungen erholt hat.

Quellen

  • Buhl, H.U. Der Beitrag der Wirtschaftsinformatik zur Früherkennung und Vermeidung von „Black Swans“ bei IT-Projekten. Wirtschaftsinformatik 54, 53–57 (2012).
    https://doi.org/10.1007/s11576-012-0313-7